Experten tauschten sich in Großenkneten über unterschiedliche Ansätze zum Carbon Farming aus

Zwar weiß noch keiner, nicht einmal die Fachleute, wie das sogenannte „EU-Carbon Farming“ am Ende im Detail ausgestaltet sein wird, doch eines ist jetzt schon ganz sicher: Es kommt. Und damit (vielleicht) auch die Chance für Akteure in und um Land- und Forstwirtschaft herum einen rechtlichen Rahmen zu bekommen, in dem die vielfältigen Ansätze und Optionen zur Bindung von Kohlenstoff in Böden in ökonomisch tragfähige Modelle eingebunden werden können.

Dass Carbon Farming positive Effekte für das Klima und zugleich für den Wasserschutz haben, daran ließen die Referenten auf der 3. Tagung zum Thema „Bodenfruchtbarkeit und Wasserschutz“ auf Gut Moorbeck in Großenkneten insgesamt keinen Zweifel. Auf dem vom Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) und dem Netzwerk Ackerbau Niedersachsen (NAN) gemeinsam organisierten Veranstaltung kristallisierte sich in den Vorträgen schnell heraus, dass durch eine verstärkte Einlagerung von Kohlenstoff im Boden sowohl weniger Stickstoff ausgewaschen als auch die Erträge stabilisiert und zudem stückweit Klimaschutz praktiziert werden können.

Um dies zu erreichen, stellten die Referenten zum Teil sehr unterschiedliche Ansätze -Kompostierung fehlte leider – vor: tiefe Bodenlockerung, Zwischenfruchtanbau (der sich in den letzten Jahren in Deutschland auf zwei Millionen Hektar ausweitete), Weidenutzung, Pflanzenkohleproduktion, Agroforstsysteme und nicht zuletzt ökologischer Landbau. Allesamt sind dies interessante Optionen, um den organischen Anteil im oberen Bodenhorizont langfristig anzuheben und dadurch Kohlenstoff und Stickstoff mehr zu binden als bisher.
Dabei stellte sich in den Diskussionen heraus, moderiert von Dr. Christina Aue vom OOWV und Hilmar Freiherr von Münchhausen vom NAN, dass die jeweiligen Kohlenstoff-Einbindungsmethoden nicht isoliert, sondern in ihrer Ganzheitlichkeit und in ihrer jeweiligen Effizienz, wie Dr. Christopher Poeplau vom Institut für Agrarklimaschutz betonte, kritisch zu betrachten sind.

Welche Widersprüche aktuell bestehen, strich Professor Frank Eulenstein vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung e.V. (ZALF) hervor. „Die 10.000-Liter-Kuh ist aus rein wirtschaftlicher Betrachtungsweise anzustreben, aber sie braucht kein Grünland mehr,“ konstatierte Eulenstein; wobei andererseits gerade das Grünland im Kontext zum ökologischen Landbau und hinsichtlich der Kohlenstoffbindung als auch der Biodiversität hervorragend abschneide. Sein Plädoyer: Das Zweinutzungsrind muss in Zukunft von der Politik mehr gefördert werden!
Zumal der Ökolandbau aktuell mit dem Rücken zur Wand stehe, wie ein Tagungsteilnehmer mahnend in die Runde einwarf: „Weil die Ökobetriebe bei Pachtpreisen von 1.400 Euro pro Hektar trotz staatlicher Prämien nicht mehr wirtschaftlich sein können“.

Unterdessen erlebt die regenerative Landwirtschaft öffentliche Rückendeckung und nicht zuletzt deshalb, wittern Akteure innerhalb der Landwirtschaft neue Einnahmequellen. So seien Agroforstsysteme nach den Worten von Dr. Ernst Kürsten „CO2-Minderungsmaschinen“. Dazu trug Ingo Zapp ein beeindruckendes Beispiel vor. Mit seiner Forsthof Artland GmbH pflanzte er im Raum Osnabrück auf 7,5 Hektar Ackerland Pappeln an. Die davon geerntete Biomasse nutzt Zapp dabei primär für die Wärmeversorgung mehrerer Wohneinheiten und sekundär zur Herstellung von Pflanzenkohle. Apropos Pflanzenkohle: Dies Thema griff Dr. Mirjam Helfrich vom Institut für Agrarklimaschutz auf. Zwar sei Pflanzenkohle aus Stroh hinsichtlich ihrer Kohlenstoffbindung im Gegensatz zum Zwischenfruchtanbau um 1,7 Prozent wirksamer, dennoch sei mit deren Ausbringung auf Böden in gemäßigten Klimaten keine Ertragssteigerungen zu erwarten.

Überdies: Trotz allem zwischenzeitlichen Hype belief sich die europäische Pflanzenkohleproduktion im Jahr 2024 auf nicht mehr als 70.000 Tonnen. „Pflanzenkohle also doch nur etwas für Freaks?“ wie jemand am Ende der Diskussion süffisant fragend einwarf. Nein, aber sie wird eben nur ein Baustein unter mehreren sein, um Klima- und Wasserschutz, um nachhaltigen Landbau, Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit unter einen Hut zu bringen, wie Dr. Poeplau in seinem Fazit klug zusammenfasste.

AUTOR: DIERK JENSEN

 

Netzwerk Ackerbau Niedersachsen e.V. – 3. Tagung zu Bodenfruchtbarkeit und Wasserschutz:
Wie Carbon Farming-Maßnahmen zur Kohlenstoffmehrung und Nitratminderung beitragen