26. Jahrestagung des VHE-Nord: Norddeutsche Kompostwirtschaft trifft sich in Bremen

GEGEN DEN TREND – KOMPOSTWIRTSCHAFT MIT POSITIVEN SIGNALEN!

„Wir sind wirklich einen bedeutenden Schritt vorangekommen,“ bilanziert Stefan Grüner gut ein Jahr nach Inkrafttreten des letzten Teils der novellierten Bioabfallverordnung. Welch selten positives Urteil in diesen unsicheren Zeiten! Aber kein Vertun, der Vorsitzende des Verbandes der Humus- und Erdenwirtschaft Region Nord (VHE-Nord), zeigt sich wie viele Branchenkollegen sehr zufrieden mit der Einführung des Paragrafen 2a BioAbfV; dieser besagt, dass die Kompostierer jede Biotonnen-Charge, die mehr als drei Prozent Fremdstoffe oder mehr als einen Masseprozent Kunststoffe enthält, ablehnen darf. Eine gesetzliche Vorgabe, die sich als sehr wirksam erwiesen hat: Denn die Fremdstoffanteile sind seit dem 1.5.2025 im norddeutschen Raum entscheidend zurück gegangen.

„Dabei hat der Dreiklang von Aufklärung, Kontrolle und Sanktion zum Erfolg beigetragen“, analysiert Grüner. Als Geschäftsführer der Biogenes Zentrum Peine GmbH, die auch ein Kompostwerk betreibt, weiß Grüner aus erster Hand, was passiert, wenn Kreise und Kommunen intensive Aufklärungsarbeit und Kontrollen auf den Weg bringen: Diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass die Bioabfälle entscheidend sauberer werden. So haben sich seit der Einführung des Paragrafen 2a rund 60 Prozent aller Kreise und Kommunen an verschiedenen Aktionen beteiligt, um die Bürger zu Bioabfällen zu informieren, aufzuklären und mitzunehmen. Mit dem großen Erfolg, dass bisher nur ganz wenig Bioabfallfrachten an den Werkstoren der Kompostierer abgelehnt werden mussten.

Diese erfreuliche Botschaft aus den Reihen der Kompostierungswirtschaft ist eines der Hauptthemen der diesjährigen Jahrestagung des VHE-Nord Anfang Juni in Bremen. So wird Martin Wittmaier vom Institut für Energie und Kreislaufwirtschaft an der Hochschule Bremen die gespannt erwarteten Ergebnisse einer detaillierten Umfrage zur Qualität der Bioabfälle innerhalb der Kompostwirtschaft vortragen. Darüber hinaus gibt Karl-Uwe Schäfer, Betriebsleiter der Kompostierungsanlage Schwegermoor in Bohmte-Hunteburg, technische Einblicke in die automatisierte, KI-basierte Sichtkontrolle bei der dortigen Anlieferung des Bioabfalls. Und Steffen Böhme, Geschäftsführer der BR Handelsgesellschaft in Warburg, referiert darüber, wie es mit einer weiterentwickelten Anlagentechnik gelingt, den Fremdstoffanteil noch weiter zu minimieren bzw. sogar ganz zu eliminieren.

Aber was hat sauberer Kompost mit Mooren, mit Moorschutz zu tun? Diese interessante Frage greift die diesjährige VHE-Jahrestagung auf und will dazu Antworten geben. Ganz einfach: Wenn es gelingt, weiter zunehmend Torfe in Pflanzsubstraten zu ersetzen, dann leistet die Kreislaufwirtschaft einen wichtigen Beitrag für den Schutz der Moore. Derweil fordert das Bundeslandwirtschaftsministerium mit der sogenannten „Torfminderungsstrategie“ von der bundesdeutschen Erdenwirtschaft schon seit Längerem einen Ausstieg aus der Torfnutzung. „Damit erweist man den Mooren im Zweifelsfall einen Bärendienst“, kritisiert indessen Philip Testroet. Zwar hebt der stellvertretende Geschäftsführer des Industrieverbandes Garten (IGV) die vielfältigen Bemühungen der Erdenwirtschaft hervor, den Torfeinsatz zu reduzieren und verweist auf den inzwischen auf 63 Prozent gesunkenen Torfanteil in den Substraten für den Erwerbsgartenbau. Doch seien „Torf und Kompost komplementäre Rohstoffe, die man kombinieren, aber nicht gänzlich ersetzen kann.“ Zustimmung erhält Testroet von Josef Gramann, geschäftsführender Gesellschafter der Gramoflor aus Vechta, der Torf in Hochleistungssubstraten nach wie vor für unverzichtbar (?) hält. Da Prof. Dr. Hans Joosten vom Vorstand der Stiftung Moorbibliothek ein Referat zu „Moor und Klima“ hält und Dr. Elena Zydek von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein aus Kiel über das Projekt Klimafarm berichtet, ist in Bremen mit Sicherheit eine kontroverse und spannungsgeladene Diskussion zu erwarten. Somit wird die traditionsreiche Veranstaltung des VHE-Nord bestenfalls wieder positive Signale setzen: Für mehr Moorschutz, mehr Kreislaufwirtschaft, mehr Klimaschutz und mehr sauberen Kompost!

26.Fachtagung des VHE-Nord e. V. am 8. Juni 2026 in Bremen. Tagungsprogramm auf www.vhe-nord.de